Aktuelles bei Fisch Groß



Fischzuchtbetrieb Groß lebt und arbeitet an der Fulda


Veröffentlicht am 25.07.2010 18:07 Uhr,
» http://www.fuldaerzeitung.de/newsroom/regional/Fulda-Region-Fischzuchtbetrieb-Gross-lebt-und-arbeitet-an-der-Fulda;art25,320654


GERSFELD
Sie heißen Udo und Peter Groß, Horst und Ralf Gensler. Die vier Männer sind allesamt Fischzuchtmeister, sie leben und arbeiten an, mit und von der Fulda, die ein fünf Hektar großes Areal unterhalb von Gersfeld teilweise durchfließt, beziehungsweise begrenzt.




„Ja“, lacht Peter Groß, „die Fulda ist für unseren Betrieb so etwas wie die Mutterbrust, ohne sie würde uns die Existenzgrundlage fehlen.“ Zehn Menschen bietet das junge Gewässer dort einen Arbeitsplatz, noch einmal zehn kommen als Saisonkräfte hinzu, wenn das wichtigste Standbein der Fischzucht Rhönforelle Groß, der Handel und Vertrieb mit Besatzfischen, Saison hat. Damit sind jene Tiere gemeint, die von Angelsportvereinen gekauft werden, um sie an deren Gewässern wieder auszusetzen und heranwachsen zu lassen.

„Wir liefern bundesweit aus, von Jever bis Singen reicht unser Kundenstamm“, erklärt Peter Groß und der umfangreiche Fuhrpark zeigt, dass für die viermonatige Hauptsaison jede Menge Transportkapazitäten vorgehalten werden muss.


Als unseren „Brotfisch“ bezeichnet der 44-Jährige die Forelle, die man auf dem 1960 von seinem Vater erworbenen Gelände in nahezu allen Stadien kennenlernen kann, vom kürzlich befruchteten Ei bis hin zum bereits geräucherten und filetierten Fisch, der vakuumgezogen auf Feinschmeckers Tisch landet.

„Die Speisefische werden ausschließlich regional vermarktet“, sagt Groß. Räucherfische und fangfrische Tiere werden vom heimischen Großhandel und der Gastronomie nachgefragt. Man versucht mit Qualität zu punkten, um sich von der Supermarktware aus der Türkei oder Dänemark abzuheben. „Zwei Jahre sollte eine Forelle alt sein, bevor sie geschlachtet wird, lieber sollte sie etwas älter sein. Theoretisch kann man sie auch in einem Jahr hinbekommen, wenn in Intensivzuchtbetrieben für eine gleichmäßige Wassertemperatur gesorgt wird. Wir hier haben Temperaturschwankungen von 1 Grad im Winter und 18 Grad jetzt im Sommer“, erläutert Groß.

Im Sommer kann der Fischzuchtbetrieb, in dessen 18 Teichen und Dutzenden von Bottichen sich fast alle namhaften heimischen Süßwasserfische und Störe tummeln, getrost als Direktvermarkter bezeichnet werden. Der morgens eher noch verwaiste Parkplatz nahe der beiden großen Angelteiche füllt sich im Laufe des Tages beachtlich, ausländische Kennzeichen an den Wagen verraten, dass sich hier auch Touristen aus deutschen Nachbarländern vermutlich ihr Abendbrot fangen wollen, um es dann in einer Rhöner Ferienwohnung zuzubereiten.

Vom nahegelegenen Fernradweg R 1, Gersfeld – Fulda, kommen Radler auf das Terrain der Fischzucht gefahren, gut möglich, dass sie die Geruchs-Komposition aus Buchenholzqualm und warmen Räucherforellen angelockt hat. Wie auch immer, der Imbiss namens Forellengrill unweit der Angelteiche scheint nicht nur bei Petri-Jüngern einen guten Ruf zu haben. Immerhin werden dort als jüngstes Schmankerln sogar Flusskrebse serviert.

Überall plätschert, gurgelt, wogt und rinnt es, das Wasser gerät auf dem Areal zum Synonym für Lebenselixier. Doch das wertvolle Nass wird nicht allein der hier noch schmalen Fulda entnommen, aus einer Quelle im Hang oberhalb der Fischzucht sprudelt jahrein, jahraus fünf Liter pro Sekunde heraus. Diese Wasserspenderin gab auch den Ausschlag dafür, dass sich der Vater der heutigen Besitzer-Brüder, Helmut Groß, vor 50 Jahren entschloss, hier einen Fischzuchtbetrieb anzusiedeln. Bis zu diesem Zeitpunkt ging die Familie dem Gewerbe in Dietershausen nach, wo Eligius Groß den Betrieb 1882 gegründet hatte.

Dass die junge Fulda ein durchaus ausländerfreundlicher Fluss ist, zeigt sich beim Blick in Teiche und Bassins, wo sich Fische tummeln, die deutlich jenseits der Forellengröße angesiedelt sind. Es sind Störe, mit denen der damals 18-jährige Peter Groß bei seiner Ausbildung im US-Bundesstaat Idaho die ersten Kontakte hatte. Vor 20 Jahren holte der Fischzuchtmeister dann mit seinem Pick-Up die ersten 1000 kleinen Störe aus der Sowjetunion. Heute bildet die Störzucht, neben der Forelle, die Haupteinnahmequelle der Gersfelder. Befruchtete Eier werden beispielsweise bis nach China verkauft und die Aufkleber für die ersten Kaviardöschen sind bereits gedruckt; auch wenn Groß erläutert, dass dieses hochpreisige Produkt noch keine Rolle für den Fischzuchtbetrieb an der jungen Fulda spiele.

© Ulrich Schmid
für die Fuldaer Zeitung